Wie prüfe ich die Ertragsprognose einer Photovoltaikanlage im Angebot?
Eine Ertragsprognose ist nur dann nachvollziehbar, wenn Standort, Dachausrichtung, Neigung, Anlagenleistung und Verluste klar dokumentiert sind. So prüfen Sie die Angaben im Angebot mit PVGIS.
Eine Ertragsprognose im Photovoltaik-Angebot prüfen Sie am besten in zwei Schritten: Zuerst gleichen Sie die technischen Annahmen ab, anschließend vergleichen Sie den erwarteten Jahres- und Monatsertrag mit einer unabhängigen PVGIS-Berechnung. Stimmen die Eingaben nicht überein, ist auch der Vergleich der Ergebnisse wenig aussagekräftig.
Welche Angaben müssen im Angebot stehen?
Prüfen Sie, ob das Angebot mindestens diese Punkte eindeutig nennt:
Standort oder genaue Adresse der Anlage
berücksichtigte Dachflächen
installierte Anlagenleistung in kWp
Ausrichtung der Module, meist als Himmelsrichtung oder Azimut
Neigung der Dachflächen
Anzahl beziehungsweise geplante Fläche der Module
angesetzte Systemverluste
erwarteter Jahresertrag in kWh
möglichst auch Monatswerte
PVGIS der Europäischen Kommission benötigt für die Berechnung unter anderem Standort, Anlagenleistung, Ausrichtung, Neigung und angesetzte Verluste. Diese Eingaben sollten daher mit den Angaben im Angebot übereinstimmen.
Achten Sie außerdem darauf, ob die Prognose nur eine idealisierte Dachfläche beschreibt oder tatsächlich alle vorgesehenen Flächen berücksichtigt. Ein Angebot für Ost- und Westdächer sollte nicht mit einer Berechnung für ein optimales Süddach begründet werden.
Wie funktioniert der Gegencheck mit PVGIS?
Geben Sie in PVGIS den Anlagenstandort und die im Angebot genannte Leistung ein. Übernehmen Sie anschließend möglichst genau die angegebene Ausrichtung und Dachneigung. Für eine realistische Gegenprüfung sollten Sie außerdem die Systemverluste nicht einfach durch einen günstigeren Standardwert ersetzen.
Vergleichen Sie danach zunächst den Jahreswert und anschließend die Verteilung über die Monate. Eine Abweichung ist nicht automatisch ein Fehler: Andere Einstrahlungsdaten, technische Verlustannahmen oder eine abweichende Modellierung können das Ergebnis beeinflussen. Der Anbieter sollte diese Unterschiede jedoch erklären können.
PVGIS stellt Ergebnisse für die monatliche und jährliche PV-Stromproduktion bereit. Dadurch lässt sich auch erkennen, ob eine Prognose zwar beim Jahreswert plausibel wirkt, aber ungewöhnliche Monatsverläufe enthält.
Sind Bäume und Nachbarhäuser berücksichtigt?
Hier sollten Sie besonders genau nachfragen. PVGIS kann den Geländehorizont und damit beispielsweise entfernte Hügel berücksichtigen. Nahe Bäume, Gebäude oder andere Hindernisse werden jedoch nicht automatisch ausreichend genau abgebildet. Dafür ist eine separate Verschattungsbetrachtung erforderlich, etwa mit einer dokumentierten Verschattungsanalyse.
Fragen Sie konkret:
Welche Verschattung wurde für welche Dachfläche angesetzt?
Zu welchen Tages- und Jahreszeiten tritt sie auf?
Wurde der Schattenwurf von Bäumen und Nachbargebäuden betrachtet?
Ist der daraus entstehende Verlust bereits in der Prognose enthalten?
Fehlt eine nachvollziehbare Antwort, sollten Sie den prognostizierten Ertrag nicht ungeprüft für die Kaufentscheidung verwenden.
Welche Verluste sollten erklärt werden?
Der Begriff „Systemverluste“ ist allein noch keine ausreichende Erklärung. Lassen Sie sich erläutern, welche Einflüsse darin enthalten sind, zum Beispiel Leitungs-, Wechselrichter-, Temperatur- oder Verschattungsverluste. Wichtig ist nicht nur die Prozentzahl, sondern die Zuordnung zu den einzelnen Verlustarten.
Die Verbraucherzentrale empfiehlt außerdem, Angebote vollständig zu prüfen. Dazu gehören neben den technischen Komponenten auch Montage, Netzanschluss und notwendige Arbeiten. Eine vollständige Angebotsprüfung verhindert, dass eine scheinbar hohe Ertragsprognose mit später nicht berücksichtigten Leistungen vermischt wird.
Kurze Checkliste vor der Unterschrift
Passt der Standort zur tatsächlichen Immobilie?
Sind alle belegten Dachflächen mit Ausrichtung und Neigung aufgeführt?
Stimmen kWp-Leistung und Modulfläche mit dem Angebot überein?
Sind Jahres- und Monatswerte vorhanden?
Werden System- und Verschattungsverluste getrennt erklärt?
Wurde die Prognose mit PVGIS oder einem vergleichbaren unabhängigen Rechner gegengeprüft?
Sind Montage, Netzanschluss und erforderliche Bauteile im Angebot enthalten?
Eine belastbare Ertragsprognose verspricht keinen exakt eintreffenden Jahreswert. Sie macht jedoch transparent, welche Annahmen verwendet wurden und wo Unsicherheiten liegen. Genau diese Nachvollziehbarkeit ist die wichtigste Grundlage für einen fairen Angebotsvergleich.