Kann ich neue Solarmodule an eine bestehende PV-Anlage anschließen?
Neue Solarmodule lassen sich oft nachrüsten. Entscheidend sind elektrische Werte, Stringaufteilung, MPP-Tracker, Wechselrichterreserven sowie Ausrichtung und Verschattung.
Kurzantwort: Ja, eine bestehende Photovoltaikanlage kann häufig durch neue Solarmodule erweitert werden. Unterschiedliche Module sollten jedoch nicht ungeprüft im selben String betrieben werden. Stimmen MPP-Spannung, MPP-Strom, Leerlaufspannung und Kurzschlussstrom nicht ausreichend zusammen, kann ein eigener MPP-Tracker oder Wechselrichter erforderlich sein.
Wann lassen sich unterschiedliche Module kombinieren?
Module arbeiten in einem String in Reihe. Dabei fließt durch alle Module derselbe Strom; die Stringspannung ergibt sich aus den Einzelspannungen. Der gemeinsame MPP-Tracker sucht dafür einen passenden Arbeitspunkt. Unterschiedliche elektrische Kennwerte können deshalb dazu führen, dass ein String nicht den optimalen Arbeitspunkt aller Module erreicht.
Entscheidend ist nicht allein die Nennleistung in Watt. Verglichen werden müssen mindestens:
Spannung am Punkt maximaler Leistung (MPP-Spannung)
Strom am Punkt maximaler Leistung (MPP-Strom)
Leerlaufspannung
Kurzschlussstrom
zulässige Systemspannung und Strombelastbarkeit
Bei einer Parallelschaltung müssen insbesondere die Stromwerte und die Auslegung des Wechselrichters passen. Bei einer Reihenschaltung ist zusätzlich zu prüfen, ob die Summe der Spannungen – auch bei niedrigen Temperaturen – innerhalb der zulässigen Grenzen bleibt. Die konkreten Grenzwerte stehen in den Datenblättern und in der Installationsanleitung des Wechselrichters.
Warum Ausrichtung und Schatten wichtig sind
Module auf unterschiedlichen Dachflächen können zu verschiedenen Zeiten und mit unterschiedlicher Intensität bestrahlt werden. Auch ein Schatten durch Schornstein, Gaube oder Nachbargebäude verändert den Arbeitspunkt. Deshalb sollten unterschiedlich ausgerichtete oder unterschiedlich verschattete Modulgruppen möglichst getrennt betrachtet werden.
Ein eigener MPP-Tracker kann dafür geeignet sein, wenn der Wechselrichter genügend unabhängige Eingänge und passende Spannungsbereiche bietet. Reicht das nicht aus, kommt je nach Anlagenkonzept ein zusätzlicher Wechselrichter infrage. Das ist eine Auslegungsfrage und lässt sich nicht allein aus der Modul-Wattzahl beantworten.
Kompakte Prüfliste vor der Erweiterung
Datenblätter der vorhandenen und neuen Module zusammentragen.
MPP-Spannung und MPP-Strom beider Modultypen vergleichen.
Leerlaufspannung bei niedrigen Temperaturen berücksichtigen.
Bestehende Stringlängen und die geplante neue Stringaufteilung prüfen.
Freie MPP-Tracker und deren Spannungs- und Strombereiche kontrollieren.
DC-Eingangsleistung, maximale Eingangsspannung und Eingangsstrom des Wechselrichters prüfen.
Ausrichtung, Neigung und absehbare Verschattung je Modulgruppe erfassen.
Leitungen, Steckverbindungen, Schutztechnik und Montagesystem in die Prüfung einbeziehen.
Vor Beginn klären, wie die Erweiterung beim Netzbetreiber und im Marktstammdatenregister behandelt wird.
Alte Module ersetzen statt ergänzen
Werden alte Module vollständig durch neue ersetzt, kann die Planung einfacher werden, weil innerhalb eines Strings einheitlichere elektrische Eigenschaften entstehen. Trotzdem müssen Stringlänge, Wechselrichterbereich, Dachfläche, Unterkonstruktion und Verschattung neu bewertet werden. Werden dagegen zusätzliche Module zugebaut, kann eine separate Einheit beziehungsweise eine eigene elektrische Anbindung notwendig sein.
Die Bundesnetzagentur weist darauf hin, dass zusätzliche Solarmodule je nach Ausgestaltung als weitere Solaranlage zu behandeln sein können. Änderungen der registrierten Daten sind grundsätzlich zeitnah im Marktstammdatenregister zu aktualisieren.
Was sollte der Fachbetrieb prüfen?
Lassen Sie sich vor der Erweiterung einen Stringplan mit Modulanzahl, Spannungsbereich, Tracker-Zuordnung und Wechselrichtergrenzen geben. Arbeiten am netzgekoppelten Gleich- oder Wechselstromteil gehören in die Hände eines qualifizierten Fachbetriebs. Eine Erweiterung ohne Prüfung des bestehenden Systems kann zu Ertragseinbußen, unpassenden Betriebszuständen oder einer Überschreitung technischer Grenzwerte führen.