PV-Anlage sicher erweitern: Welche Unterlagen brauche ich vor dem Kauf?
Wer eine bestehende PV-Anlage erweitern möchte, sollte vor dem Kauf technische Unterlagen, Schaltplan und Netzanschlussdaten prüfen. Diese Checkliste zeigt, welche Angaben für eine sichere Kompatibilitätsbewertung wichtig sind.
Kurze Antwort: Vor dem Kauf einer Erweiterung brauchen Sie möglichst die vollständige Dokumentation der bestehenden PV-Anlage. Entscheidend sind Daten zu Modulen, Wechselrichter, Schutzkonzept, Zähler, Messkonzept und Netzanschluss. Fehlen diese Unterlagen, sollte eine Elektrofachkraft die Anlage vor einer Bestellung prüfen.
Diese Unterlagen sollten vorliegen
Suchen Sie zunächst das Inbetriebsetzungsprotokoll, den ursprünglichen Antrag beim Netzbetreiber und die Abschlussdokumentation des Anlagenerrichters. Wichtig sind außerdem:
Datenblätter der verbauten Module und Wechselrichter
Angaben zur installierten Modulleistung in kWp
Wechselrichterleistung in kW oder kVA
Anzahl und Zuordnung der PV-Strings
Übersichtsschaltplan ab dem Netzanschluss
Angaben zum Zähler und Messkonzept
Nachweise zum Netz- und Anlagenschutz
Unterlagen zu einem vorhandenen Speicher oder Energiemanagementsystem
frühere Änderungen, Reparaturen oder Erweiterungen
Für eine Erweiterung verlangt das aktuelle Formular zur Antragstellung nach VDE-AR-N 4105 unter anderem einen Lageplan, Datenblätter, Zertifikatsangaben und einen Übersichtsschaltplan mit Messkonzept. Die Unterlagen müssen zum tatsächlichen Anlagenaufbau passen.
Welche technischen Angaben sind besonders wichtig?
Beim Wechselrichter zählen nicht nur die Nennleistung und die Zahl der Eingänge. Prüfen lassen sollten Sie auch die zulässigen Eingangsspannungen und Eingangströme, die maximale PV-Leistung, die Stringaufteilung und die Belegung der MPP-Tracker. Ein freier Eingang bedeutet deshalb nicht automatisch, dass zusätzliche Module angeschlossen werden dürfen.
Bei den Modulen sind Leistung, Leerlaufspannung, Kurzschlussstrom und die elektrische Verschaltung relevant. Die Werte müssen zur Auslegung des Wechselrichters und zu den Umgebungsbedingungen passen. Werden unterschiedliche Modulgruppen kombiniert, ist eine fachkundige Prüfung besonders wichtig.
Schutzkonzept, Zähler und Netzanschluss prüfen
Zur Dokumentation gehören auch Angaben zum Netz- und Anlagenschutz. Das VDE-FNN-Formular führt dafür unter anderem die Zertifikats-ID des NA-Schutzes und – falls im konkreten Anschlussfall vorhanden – die Leistungsflussüberwachung am Netzanschlusspunkt auf. Der Schaltplan soll außerdem das Messkonzept zeigen. Bei größeren Anlagen sind zusätzliche Angaben zum zentralen NA-Schutz und zu den Kuppelschaltern vorgesehen.
Prüfen Sie deshalb vor dem Kauf:
Welche Zählerart ist installiert?
Gibt es bereits einen Zweirichtungszähler oder ein intelligentes Messsystem?
Ist ein zusätzlicher Zähler im Messkonzept vorgesehen?
Welche Anschlussleistung wurde bisher vereinbart?
Muss die geplante Änderung beim Netzbetreiber berücksichtigt werden?
Die konkrete Umsetzung hängt vom Anschlussfall und den Vorgaben des zuständigen Netzbetreibers ab. Ein alter Schaltplan allein beantwortet diese Fragen nicht, wenn die Anlage später verändert wurde.
Wann ist eine Elektrofachkraft erforderlich?
Sobald Leitungen, Schutzgeräte, Wechselrichter, Zählerplatz, Netzanschluss oder Speicher betroffen sind, sollte eine Elektrofachkraft die Kompatibilität bewerten. Arbeiten an PV-Anlagen können sowohl elektrische Gefährdungen als auch Gefahren bei Arbeiten auf Dachflächen umfassen. Die DGUV nennt für elektrotechnische Arbeiten besondere Fachkunde als Voraussetzung.
Legen Sie der Fachkraft am besten vor:
alle vorhandenen Anlagenunterlagen
Fotos der Typenschilder und Verteilungen
den aktuellen Zählerstandort und Zählertyp
Informationen zu geplanten zusätzlichen Modulen oder Speichern
den gewünschten Umfang der Erweiterung
Checkliste vor der Bestellung
Stimmen Unterlagen und tatsächliche Komponenten überein?
Sind Wechselrichterleistung und Stringdaten bekannt?
Ist das Messkonzept nachvollziehbar?
Sind Schutz- und Zertifikatsangaben vorhanden?
Ist der Netzanschluss der geplanten Leistung gewachsen?
Hat eine Elektrofachkraft die Erweiterung geprüft?
Fehlen zentrale Angaben, ist die sichere Entscheidung nicht ein besonders großzügiges Bauteil, sondern zunächst eine technische Bestandsaufnahme. So lassen sich Fehlbestellungen und Änderungen an der bestehenden Anlage vermeiden.